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Populäres Vorurteil:
Foodwatch legt die Finger in die Wunden der Lebensmittelproduktion. [Einleitung]

SÄGESPÄNE-Joghurt
Auch wenn auf dem Joghurtbecher leuchtend rote Erdbeeren zu sehen sind: Der Geschmack stammt meist nicht aus Erdbeeren, sondern aus Sägespänen. [16]

Auch wenn das Schlagwort vermuten lässt, hier habe der Hersteller kleingemahlene Sägespäne untergerührt, so ist der Grund für den Alarm ein weitaus geringerer. In der Tat lassen sich Aromen teilweise aus anderen (billigeren) Rohstoffen herstellen. Das beim Milchriegel bereits genannte Vanillin ist ein rein synthetisches Plagiat der Vanille. Nicht immer mutet es appetitlich an, wenn man erfährt, aus welchen Rohstoffen Aromen hergestellt werden. Aber eingesetzt werden schließlich die Aromen und nicht ihre Rohstoffe. Sägespäne finden sich im Joghurt nicht wieder.

Wiederfinden lassen sich allerdings Konservierungsstoffe wie Sorbinsäure, Benzoesäure oder PHB-Ester, die zum Teil ein allergenes Potential haben. (Vergleiche hierzu: Lebensmittelzusatzstoffe: Konservierungsstoffe.) Sie gelangen als Beifracht der Aromen in den Joghurt. Wird Joghurt nicht nur aromatisiert, sondern mit Fruchtmark hergestellt, so kann das aus Originalfrüchten produzierte Fruchtmark auch derartige Konservierungsstoffe mitbringen, ohne dass dies in der Zutatenliste erwähnt würde. (Vergleiche hierzu: Populäres Vorurteil: Die Zutatenliste verrät die Inhaltstoffe des Lebensmittels.)

Im Übrigen lässt sich zwar Himbeeraroma aus Zedernholzöl herstellen, für Erdbeeraroma ist jedoch noch kein Holz gewachsen. Das so gewonnene Erdbeeraroma gibt es wohl nur in Grimms Märchen. Es ist vielleicht nicht sehr appetitlich, zu erfahren, woher die Aromen kommen, aber rechtfertigt das einen Alarm? Alarmierend ist eher der Einsatz von Konservierungsstoffen, die sich auf dem Etikett nicht widerspiegeln. Das liegt am geltenden Kennzeichnungsrecht.


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Erstellt am 29. Oktober 2004, zuletzt geändert am 02. April 2008 © Jürgen Krüll, Berlin-Schöneberg.
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